Der Begriff „Work-Life-Balance“ ist in aller Munde. Aber gibt es ein solch ausgewogenes Verhältnis wirklich? Was bedeutet das für Arbeitnehmer und gibt es auch nur die geringste Chance darauf in unserer hyper-vernetzten Welt?

Der technologische Fortschritt hat in den letzten zehn Jahren auch vor unserer Arbeitswelt nicht haltgemacht. Unternehmen statten ihre Mitarbeiter regelmäßig mit Handy, Laptop und gelegentlich auch mit Tablets aus. Viele Arbeitnehmer in Deutschland nutzen die mobilen Geräte auch für private Zwecke in der Freizeit, wodurch die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit noch stärker verschwimmen.

Hat sich unsere Auffassung über ein ausgewogenes Leben verändert?

Das Verschwimmen der klaren Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit hat direkte Auswirkungen auf unser persönliches Glück. Wie denken Arbeitnehmer vor diesem Hintergrund über ihr Berufs- und Privatleben?

Die Personalberatung Michael Page hat dieses Phänomen genauer unter die Lupe genommen. Dazu wurde im Juni 2018 eine Umfrage unter 669 Beschäftigten in Deutschland durchgeführt. Die Ergebnisse belegen, dass die Grenzen zwischen Job und Freizeit häufig verschwimmen, da viele Arbeitnehmer mindestens ein mobiles Gerät außerhalb ihrer Arbeitszeit verwenden.

Immer häufiger erhalten Mitarbeiter mobile Geräte für berufliche Zwecke

Das Phänomen, immer und überall erreichbar zu sein, ist heute weiter verbreitet denn je. Über 85% der Befragten werden von ihrem Arbeitgeber mit mindestens einem mobilen Gerät ausgestattet (Handy, Laptop, Tablet). Auf die Frage, wofür sie ihr Handy verwenden, antworten insgesamt 52%, dass sie es ausschließlich für berufliche Zwecke nutzen. Je höher die Hierarchiestufe, desto häufiger verschwimmen die Grenzen. So geben 43% der Führungskräfte an, dass sie ihr Gerät sowohl für berufliche als auch für private Zwecke nutzen.

Sind Mitarbeiter „Gefangene“ ihrer mobilen Geräte?

Rund 86% der Befragten räumen ein, dass ihre Arbeitsgeräte ihr Leben verändert haben und 57% bewerten das als eine Veränderung zum Schlechteren. Unsere Daten belegen, dass das Berufsleben tatsächlich Auswirkungen auf das Privatleben hat. Rund 83% der Befragten beantworten E-Mails und nehmen berufliche Anrufe auch außerhalb der Arbeitszeiten an. Ist das wirklich die „neue Normalität“ für fleißige Mitarbeiter und Führungskräfte? 

Die ständige Erreichbarkeit auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten basiert auf zwei Leitgedanken: Verantwortung (58%) und Pflichtgefühl (27%). Interessanterweise gibt es bei diesen beiden Leitgedanken geschlechtsspezifische Unterschiede. Während 34% der Frauen „Pflichtgefühl“ anführten, lag der Anteil bei den Männern bei 24%. Dagegen gaben 62% der Männer an, dass sie die „Verantwortung“ haben, verfügbar zu sein im Gegensatz zu nur 49% der Frauen.

Knapp 54% der Befragten arbeiten im Urlaub

Interessanterweise räumten 54% der Umfrageteilnehmer ein, dass sie sogar im Urlaub arbeiten. Selbst wenn nur E-Mails abgerufen oder ein, zwei Anrufe beantwortet werden: bedeutet dies, dass es im 21. Jahrhundert immer schwieriger wird, die Arbeit ganz beiseite zu legen?

Der Sinn und Zweck der Arbeitsgesetze in Europa und Deutschland besteht darin, Beschäftigte vor Überarbeitung, Stress und Burnout zu schützen. Aber sind sie in dieser Hinsicht tatsächlich geeignet? Ortsunabhängiges Arbeiten ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Möglichkeit auf dem Weg zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit. 

Ist mobiles Arbeiten ein guter Kompromiss?

Beim mobilen Arbeiten erhalten Beschäftigte die Möglichkeit, in der Regel auf freiwilliger Basis außerhalb des Büros zu arbeiten. Dazu stellt das Unternehmen ihnen entsprechende mobile Geräte zur Verfügung.

Ein Vorteil des ortsunabhängigen Arbeitens besteht für den Beschäftigten (Führungskraft oder nicht) in der größeren Kontrolle über den eigenen Zeitplan. Auf diese Weise können berufliche Pflichten mit anderen Aufgaben abgeglichen werden.

Obwohl diese praktische Möglichkeit hinreichend bekannt ist, zeigt die Studie, dass ca. 75% der Führungskräfte diese Möglichkeit nutzen, im Gegensatz zu nur 66% der Fachkräfte.

Über die Studie

Die Umfrage wurde anhand einer Stichprobe von 669 Personen in Deutschland im Juni 2018 online durchgeführt.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema Work-Life-Balance und warum Beziehungen am Arbeitsplatz wichtig sind.

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