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Pendler in Deutschland: Über zwei Drittel sind Frühaufsteher und Autoliebhaber

In einer europaweiten Umfrage hat die PageGroup knapp 12.500 Berufstätige, davon 1.227 aus Deutschland, nach dem Status rund um das Thema Pendeln zum Arbeitsplatz und die damit verbundenen Auswirkungen befragt. Das Ergebnis? Die Deutschen bleiben ihrem Ruf treu: Sie sind pünktlich, sie sind strukturiert und sie pendeln mit ihrem geliebten Auto. Doch wie sieht es speziell mit Pendlern aus Hessen, Bayern oder Hamburg aus?

Unsere Studienergebnisse zeigen die Gewohnheiten der deutschen Pendler in den verschiedenen Bundesländern beim täglichen Pendeln.

Sechs von zehn Arbeitnehmern in Deutschland stehen unter der Arbeitswoche vor 6:30 Uhr auf. Das sind 20 Prozent mehr als im kontinentaleuropäischen Durchschnitt. Neben Österreich sind sie sozusagen die „Frühaufsteher-Nation“.

Hamburg und Berlin fallen allerdings aus dem Rahmen. Knapp jeder Zweite steht zwischen 6:30 und 7:30 Uhr auf. Ein Ergebnis, das nicht unbedingt überrascht. Vor allem Berlin ist durch die zahlreichen Start-Ups zu einem kreativen Zentrum und einer international beliebten Metropole geworden. Es ist davon auszugehen, dass flexible Arbeitsmodelle, Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit hier keine Fremdwörter sind.

Die Pendler haben dort also im Schnitt seltener einen klassischen 9-to-5-Job. Und wann fängt bei Ihnen und Ihren Kollegen im Schnitt die Arbeit an?

 

Früh, pünktlich und ruhig – So kommen Arbeitnehmer zum Arbeitsplatz

Den ersten Kaffee trinken zwei Drittel (66 %) der Angestellten in Deutschland auf der Arbeit bereits vor 8:30 Uhr. Dazu gesellen sich im europäischen Vergleich nur die österreichischen (66 %) und holländischen (67 %) Kollegen.

Ebenfalls sind knapp zwei Drittel der Deutschen (63 %) immer pünktlich im Büro. Nur unsere österreichischen Nachbarn sind noch seltener unpünktlich. Hierzulande können das vor allem die Pendler in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen von sich behaupten – im Gegensatz zu den Nord- und Süddeutschen. Gründe für das „zu spät sein“ sind über alle Bundesländer hinweg vor allem den Verkehrsproblemen (61 %) und Wartezeiten oder Ausfällen des ÖPNV (32 %) geschuldet.

Und wie fühlen sich die Deutschen, sobald sie im Büro ankommen? Grundsätzlich ruhig, meinen vier von fünf Arbeitnehmern. Das Bild ändert sich leicht in Bayern und Baden-Württemberg, wo einer von vier gestresst zur Arbeit erscheint.

Die Deutschen scheinen grundsätzlich zuverlässig, ruhig und strukturiert zu sein. Ein Vorteil, von dem nicht zuletzt auch Unternehmen profitieren. Mitarbeiter mit diesen Eigenschaften arbeiten produktiver, was sich somit positiv auf die Unternehmensleistung auswirkt. Die Deutschen haben nicht ohne Grund den Ruf sowohl gewissenhaft als auch ehrgeizig und fleißig zu sein.

Hängt der Stresspegel eigentlich mit der Wahl des Transportmittels zusammen?

 

Der Wunsch nach Unabhängigkeit - Die Deutschen lieben ihr Auto…

Die Nordrhein-Westfalen (78 %) und Baden-Württemberger (75 %) fahren am liebsten mit dem Auto zur Arbeit. Das kann unter anderem auch daran liegen, dass sie häufig längere Anfahrtswege haben und nicht so gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden sind.

Allerdings sind sie nicht die Einzigen, die für den Weg zur Arbeit nicht auf ihr privates Fortbewegungsmittel verzichten würden. Sieben von zehn Arbeitnehmern in Deutschland nutzen das Auto oder das Motorrad, wobei nur 31 Prozent aufgrund ihres Berufs darauf angewiesen sind. Damit liegen sie über dem europäischen Durchschnitt, nach Portugal (80 %) und Belgien (75 %).

Vor allem Männer und Berufstätige in hohen Positionen – 83 Prozent der Direktoren und 77 Prozent der Manager – in Deutschland reisen regelmäßig mit privaten Verkehrsmitteln an. Ein starkes Indiz dafür, dass der Firmenwagen bei deutschen Arbeitnehmern auf Manager-Ebene noch immer ein „must-have“ ist.

Während in Ballungsräumen wie Köln, Düsseldorf oder dem Ruhrgebiet häufig auf das Auto zurückgegriffen wird, werden in Städten wie Berlin und Hamburg eher öffentliche Verkehrsmittel genutzt. Trotzdem greift auch dort etwa jeder zweite Pendler regelmäßig auf das Auto oder das Motorrad zurück. Für Unternehmen bedeutet das unter anderem, dass ihre Mitarbeiter flexibler sind und im Fall von Streiks oder Streckenstörungen in der Regel nicht direkt betroffen sind.

 

…und brauchen dafür starke Nerven

Doch was sind die Gründe, auf private Verkehrsmittel zurückzugreifen?

Für die Hälfte aller Arbeitnehmer sind die beiden Hauptgründe eine schlechte Anbindung zwischen ihrem Zuhause und der Arbeit sowie der Wunsch nach Unabhängigkeit. Vor allem greifen über 4 von 5 Pendlern, die nicht in der gleichen Stadt arbeiten in der sie leben, auf ihr Auto zurück. Über ein Viertel aller Eltern nutzen zudem das Auto, um ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit in die Schule oder den Kindergarten zu bringen. Schließlich pendeln die Deutschen im Schnitt 6 Minuten weniger mit privaten Verkehrsmitteln (43 Minuten durchschnittlich) als mit dem ÖPNV.

Aber wie stressfrei lässt es sich auf Deutschlands Straßen überhaupt fahren?

Trotz Liebe zum Auto und dem Wunsch nach Unabhängigkeit fühlen sich vier von zehn Deutschen gestresst, sobald sie das Steuer in die Hand nehmen. Das ist signifikant höher als der europäische Durchschnitt.

Es ist keine Neuigkeit, dass Autofahrer aufgrund zahlreicher Verkehrsprobleme auf Deutschlands Autobahnen starke Nerven brauchen. Um die Anzahl zu reduzieren, wären Gemeinschaftsfahrten bzw. Corporate Carsharing eine sinnvolle Alternative und Unternehmen könnten darüber nachdenken, Gemeinschaftsparkplätze anzubieten. Ebenso könnte ein Drittel der deutschen Autofahrer, die in der gleichen Stadt arbeiten, in der sie leben, auf Bus und Bahn umsteigen. Unternehmen unterstützen dieses Verhalten durch einen finanziellen Zuschuss für monatliche Bus- und Bahnfahrkarten.

Wer nah am Arbeitsplatz wohnt, kann auf das Rad zurückgreifen. In Hamburg etwa gibt es das StadtRAD Hamburg Fahrradverleihsystem, das zahlreich genutzt wird. Ein solches System gibt es in vielen Städten. Für Pendler bietet das viele Vorteile: Fahrrad fahren mindert den Stress, wirkt sich positiv auf die Work-Life-Balance aus und ist ein guter Ausgleich zum Bürojob.

Maßnahmen, die allen Parteien zu Gute kommen und gleichzeitig Umwelt, Geldbörse und Nerven schonen. Und wenn letztendlich doch nicht auf das Auto verzichtet werden kann, hat es doch etwas für sich: die Zeit kann effektiv für Geschäftsgespräche über die Freisprechanlage genutzt werden.

Das sieht bei den öffentlichen Verkehrsmitteln etwas anders aus…

 

Weniger gestresst, dafür aber produktiv – die Hälfte der Deutschen arbeitet in Bus und Bahn

Insgesamt betrachtet sind die öffentlichen Verkehrsmittel in Europa effizient – so auch in der Bundesrepublik. In Deutschland nutzt die Hälfte aller Arbeitnehmer, die den ÖPNV nutzen, die Zeit regelmäßig dazu, um schon mit der Arbeit zu beginnen.

Unternehmen in der Schweiz haben dies als Möglichkeit erkannt, ihren Mitarbeitern entgegenzukommen und auch Mitarbeiter zu gewinnen, die weiter vom Unternehmenssitz entfernt wohnen. Sie rechnen ihnen die Anreise als Arbeitszeit an und bieten so die Chance, die Zeit u.a. im Zug sinnvoll zu nutzen. Das erhöht die Zufriedenheit und die Work-Life-Balance der Arbeitnehmer – und kann sogar zu einer längeren Verweildauer im Unternehmen führen. So bewerten zum Beispiel die Schweizer Pendler, die mit dem ÖPNV fahren, ihre Work-Life-Balance auf einer Skala von 1 bis 10 mit 6.1, wobei die 10 für „sehr zufrieden“ steht. Die Deutschen liegen nur bei 5.7.

Das Model funktioniert in der Schweiz gut und Arbeitgeber in Deutschland sollten darüber nachdenken, es für sich gewinnbringend einzusetzen. Flexible Arbeitsmodelle ist einer von potentiellen Ansätzen und sollte im Jahr 2016 auf der Agenda vieler Arbeitgeber stehen. Bei einer solchen Möglichkeit würden eventuell auch mehr Mitarbeiter den Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Da mehr als zwei Drittel der Arbeitnehmer, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, diese als gar nicht stressig empfinden (68 %), ist zudem davon auszugehen, dass eine häufigere Anreise mit dem Zug das Stresslevel der Mitarbeiter reduzieren würde.

Der Mehrwert: Engagierte, motivierte und loyale Mitarbeiter.

 

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